Project Description

Zuerst sah ich nur einen rollenden Reifen, der alleine in einer abschüssigen Strasse unterwegs war. Einen Augenblick später bemerke ich Amadou, der unter lautem Lachen versucht, auf seinen kleinen Beinchen den Ausbrecher einzuholen. Kein leichtes Unterfangen, denn der Reifen gewinnt ständig an Geschwindigkeit. Schliesslich endet seine Reise an einer Hauswand. Amadou lacht mich an. « Er ist wirklich schnell », sagt er und zeigt auf seinen Reifen. Dann zeigt er auf sein ausgeblichenes T-Shirt. « Pirelli », erklärt er nicht ohne Stolz.

Amadou ist eins der vielen Strassenkinder, die in den Städten Guineas leben. Immer wieder, wenn in einem westafrikanischen Staat ein Konflikt ausbricht, flüchten Tausende Kinder in die Grosstädte der Nachbarländer. Dort sind sie meistens auf sich selbst gestellt. Ein Bericht der UNICEF von 2003 spricht von mehr als 50.000 Strassenkindern, die im verarmten Guinea vor den Kriegen in den Nachbarstaaten Liberia und Sierra Leone Schutz gesucht haben.

Die meisten von ihnen versuchen, sich mit Betteln und Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Amadou hat Glück. Immer wieder verdient er ein paar Groschen bei einem Reifenhändler, indem er kaputte Schläuche flickt. Der Reifenhändler hat ihm auch das T-Shirt geschenkt, auf das er so stolz ist und das er seit mehreren Monaten trägt. Und den Reifen, mit dem er durch die Strassen zieht, auf der Suche nach einem Platz zum Übernachten…