Project Description

Eigentlich hat Jean-Max wenig zu lachen. Ich treffe ihn in der Hauptstadt Haitis, in einer Einrichtung, die Frauen, die Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt wurden, einen Zufluchtsort bietet. Jean-Max lebt seit einigen Wochen hier. Seine Mutter und auch er wurden immer wieder Opfer der Gewalt seines Vaters. „Wir warteten voller Angst darauf, dass Vater Nachts nach Hause kam“, erzählt er mir. „Es war immer wieder das gleiche Schema. Meistens war er betrunken. Dann fing er an, sich mit meiner Mutter zu streiten. Dann kamen die Schläge. Für meine Mutter. Und für mich.“

Seit Jean-Max und seine Mutter in der Einrichtung leben, können beide wieder ruhig schlafen. Niemand mehr, der nachts betrunken nach Hause kommt und sie schlägt. Doch wie weiter? Seine Mutter hat die Scheidung eingereicht, Anzeige will sie nicht erstatten. Mit Hilfe der Mitarbeiter der Einrichtung versucht sie, für sich und ihren Sohn ein neues Leben aufzubauen. „Die Menschen hier sind meine Familie geworden“, sagt er. „Wir haben das Gleiche durchgemacht, sie verstehen mich und ich verstehe sie.“ Ich frage ihn, was er sich für die Zukunft wünscht. „Eine Zukunft ohne Gewalt“, sagt er, „das ist das wichtigste“. Ich frage ihn, ob ich ein paar Fotos von ihm machen darf. „Klar“, sagt er und bringt sich unter dem Gelächter der anderen Jugendlichen in Position. Für einen Moment vergisst er die Vergangenheit und die Zukunft. „Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht, wie heute“, sagt er, als wir die Kamera wegpacken.