Project Description

Naib ist blind. Bei der Explosion einer Landmine hat er sein Augenlicht verloren. „Mit dem Knall wurde es erst ganz hell, dann ganz dunkel“, erinnert er sich. Zusammen mit seinen Freunden hatte der damals 8-jährige eine der vielen Landminen gefunden, die sowohl Äthiopien, wie auch Eritrea entlang ihrer gemeinsamen Grenze gegen die Menschen des jeweils anderen Landes einsetzen. Mit einem Stock schlug er auf das metallene Objekt. Die Mine explodierte. Seither ist Naib blind.

„Als meine Mutter mir sagte, dass ich nie mehr sehen würde, habe ich wochenlang nur geweint“, erzählt er. „All die vielen schönen Dinge, besonders meine Familie, die ich nie mehr sehen würde, das hat mir das Herz zerrissen.“ Der Jahrzehnte lange Kampf um die Unabhängigkeit von Äthiopien und zwei Jahre Krieg mit dem Nachbarland haben ein schlimmes Erbe hinterlassen: zwischen den beiden Ländern liegen mehr als 500’000 Minen, mehr als 3’000 Menschen sind ihnen bereits zum Opfer gefallen, rund ein Viertel davon sind Kinder. Viele von ihnen haben ihr Augenlicht verloren und fristen am Rande der Gesellschaft ein Leben in bitterer Armut.

Doch Naib hat Glück im Unglück. Seine Familie hört von einer Schule speziell für Blinde, der einzigen in Eritrea. Sie wird von einer Schweizer Hilfsorganisation finanziert. Naib schaffte es auf die Schule und hat nun die Aussicht auf eine Ausbildung zu einem Beruf, der ihm ein Einkommen sichern wird. Nach dem Unterricht, sitzt er oft unter den Bäumen im Schulhof. Dort singt er von der Liebe und vom Krieg. Vom Krieg, der ihm sein Augenlicht genommen hat…