Project Description

Akong scheint mich nicht ernst zu nehmen. Eigentlich nimmt sie nichts und niemanden so richtig ernst. Mit ihrem abgelaufenen Flipflop parodiert sie den Fotografen, der aus der fernen Schweiz gekommen ist, um die ersten Schritte des frisch geborenen Staates Südsudan zu dokumentieren. Wenige Wochen zuvor hatte das Land seine Unabhängigkeit vom Nachbarstaat Sudan erlangt und war somit zum jüngsten Staat der Welt geworden. Hoffnung liegt in der Luft. Es soll das Ende eines jahrzehntelangen Bürgerkrieges sein.

Akong hat in ihrem Leben wenig anderes erlebt, als Armut und Gewalt. Viele ihrer Freundinnen mussten vor den Kämpfen aus ihren Dörfern fliehen. Dennoch trotzt sie mit ihrem Humor dem Leben eine positive Seite ab. Ich frage die 16-jährige, was sie nach der Staatsgründung von der Zukunft erwartet. „Was ich erwarte?“, fragt sie zurück und lacht. „Jetzt werden wir anstatt dem Krieg für die Unabhängigkeit einen Krieg um die Macht im Land haben.“ Ich möchte wissen, warum sie lacht, trotz ihrer düsteren Prognose. „Lachen ist wie Medizin“, antwortet sie, während sie mich mit meinem Notizblock imitiert. „Lachen hilft immer. Wenn man das Leben zu ernst nimmt, macht es einen nur traurig.“ Später nimmt sie mich nochmals beiseite. „Vielleicht wird ja doch alles gut“, sagt sie. Und lacht.

Update 2016: Es ist so gekommen, wie von Akong vorausgesagt. Seit Dezember 2013 befindet sich Südsudan erneut in einem Bürgerkrieg. Die Vertreter der beiden grössten Volksgruppen kämpfen um die Macht im jungen Staat. Der neue Krieg forderte bisher mehr als 50’000 Opfer, ein Viertel der Bevölkerung wurde vertrieben. Akong lebt weiterhin in der Hauptstadt Juba.