Project Description

„Wenn ich singe, kann ich vergessen“, sagt Sándor und lacht. Gerade hat ihm ein Tourist einen Schein in sein Körbchen gelegt. Momente wie diese sind selten. Bis zu zwölf Stunden täglich spielt Sándor sein Akkordeon. Es ist Juli. Hochsaison an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Hochsaison auch für Sándor, den Zigeunermusikanten. In die Schule geht der 13 jährige nicht. Anstatt die Schulbank zu drücken, spielt er stundenlang immer die gleichen Lieder, um für seine Familie Geld zu verdienen.

Am liebsten sind Sándor die Abendstunden. Wenn die Touristen gut gegessen und vor allem getrunken haben, fliesst das Geld am Besten. Mit seinen 13 Jahren ist Sándor ein kleiner Psychologe. Er kennt nicht nur die Lieblingslieder der verschiedenen Touristengruppen, sondern auch die Stimmungen an der Strandpromenade. So verdient er das Geld, dass er Abend für Abend bei seinen Eltern abliefert.

In Bulgarien gehen laut UNICEF zwischen 20 und 40 Prozent aller Romakinder nicht zur Schule. Die meisten sind arm und wachsen in Verhältnissen auf, die nicht viel besser sind als in Endwicklungsländern. Auch Sándor leidet unter Armut, Diskriminierung und Perspektivenlosigkeit. Das Lachen, das er mir auf diesem Foto zeigt, ist von kurzer Dauer. Es ist erst später Nachmittag und Sándor hat noch einige Stunden zu spielen.