Project Description

Vizhinjam ist ein kleiner Fischerhafen im Südwesten Indiens. Ein perfektes Bühnenbild für eine Aufführung von Shakespeares „Romeo und Julia“. Denn, so klein es auch ist, besitzt dieses erstaunliche Dörfchen auf seiner Nordseite eine riesige Moschee und im Süden eine enorme katholische Kirche. Zwischen den beiden religiösen Lagern dient ein Graben als symbolische Trennlinie, die es nicht zu überschreiten gilt.

In der Nähe des Strandes treffe ich auf Punya und ihre Freunde. Während sich die Erwachsenen lieber mit An-hängern ihrer jeweiligen Religion abgeben, spielt dieses Verhalten bei den Kindern (noch) keine Rolle. Zusammen und religiös vermischt versuchen sie, den zahlreichen Touristen, die herbeiströmen um die beiden Gotteshäuser und den Graben zu bestaunen, einige Rupies zu entlocken.

Punya behält meine Sonnenbrille. Sie lacht, als sie sie sich auf ihre kleine Nase setzt. „Ich werde sie für später auf-bewahren“, versichert mir ihr Vater. Ich frage ihn, ob Punya, die Christin, später einmal einen Muslim heiraten dürfe, falls sie sich in ihn verlieben sollte. „Gott bewahre mich davor“, stöhnt er, „das käme niemals in Frage.“ Etwas später vertraut er mir an, dass er den zukünftigen Gatten seiner Tochter bereits ausgesucht hat.