Project Description

Leontina ist der jüngste Spross der Familie. Halb nackt sitzt sie auf dem Schoss ihrer Mutter. Leontinas Welt ist knapp zehn Quadratmeter gross. Zehn Quadratmeter, auf denen sie zusammen mit ihren vier Geschwistern und ihren Eltern lebt. Ein Holzofen muss zugleich als Kochort und Heizung dienen. Ihre Zeit verbringt Leontina tagelang auf einem abgewetzten Sofa. Spielzeug gibt es nicht. Es mangelt an allem. Nicht einmal einen Fussboden gibt es. Leontinas nackte Füsse laufen über kalte, blanke Erde.

 Leontina gehört zu einer geächteten Minorität in Romänien. Die Roma leben als drittgrösste Bevölkerunsgruppe am Rande der Gesellschaft in Armut. Vielerorts enden die asphaltierten Strassen einer Gemeinde dort, wo die Viertel der Roma beginnen. Es mangelt an Strom und fliessendem Wasser. Die grosse Stereoanlage auf dem Schrank hat nie funktioniert. Leontinas Eltern haben sie aus dem Müll geholt und als Dekoration aufgestellt. Als Verkörperung eines Traumes, der sich für sie wahrscheinlich nie erfüllen wird.

Leontinas Mutter seufzt, als ich sie frage, was sie sich für ihre Kinder wünscht. „Natürlich wünsche ich mir, dass es ihnen einmal besser gehen wird“ antwortet sie mit leiser Stimme. „Aber ehrlich gesagt, habe ich die Hoffnung aufgegeben. Das Problem ist nämlich nicht nur, dass wir oft wie Aussätzige behandelt werden. Das Problem sind auch wir selbst. Unter den Roma herrschen Missgunst und Eifersucht. Kaum geht es einem besser, hat er die anderen vergessen.“ Das bekommt auch Leontina zu spüren. Während ihre nackten Füsse weiter über die kalte Erde laufen, hat sich ein Nachbar ein grosses Haus gebaut. Er ist zu Geld gekommen. Teilen steht nicht auf dem Programm….