Project Description

Gloire steht auf Hip Hop. Also ist er cool, wie seine Vorbilder. Wenn er seine Idole sehen will, geht er ganz nah an den flimmernden kleinen Fernseher im Wohnzimmer seiner Eltern. “Sooo nah”, sagt er und hält mir die Hand direkt vor die Nase. Er lacht. Wenn er nicht gerade cool ist, spielt Gloire den Klassenclown. Und wenn er auf dem Pausenhof einen Hip Hop Star imitiert und die Augen der Mitschüler an ihm heften, ist es fast so, als wäre er selbst der Star.  

Das sind für Gloire Momente des Glücks. Sein Augenleiden macht ihn fast blind und damit in den Augen vieler zu einem Aussenseiter. Wie in vielen Ländern der Dritten Welt fristen auch in Ruanda Kinder mit Behinderung ein Leben am Rande der Gesellschaft. Erst mit vierzehn – und dank der Unterstützung einer ausländischen NGO – konnte Gloire zur Schule gehen. Bis dahin verbrachte er seine Tage im Wohnzimmer der Eltern. Dort hatte er unendlich viel Zeit, vor dem Fernseher zu knien, sein Gesicht an den Bildschirm zu kleben und sich seine Idole anzuschauen.  

Das kurze Fotoshooting mit dem Mann aus Europa ist für Gloire eine Art Vorbereitung für später. “Wenn ich eines Tages ein Hip Hopper bin, dann werden viele kommen und mich fotografieren.” Für das Foto nimmt er einen coolen Gesichtsausdruck an – den seiner Vorbilder. Er schaut sich das Resultat auf dem Display meiner Kamera an. “Nicht cool genug”, urteilt er. “Mach noch eins !” Erneut kleben Gloires Augen fast auf dem Display. “Das ist ok, das kannst Du nehmen”, quittiert er. Und dann, als hätte er es fast vergessen, lacht er wieder und schiebt hinterher : “Yo Man !”