Project Description

Als ich in der kurdischen Stadt Diyarbakir versuchte, Mitarbeiter der türkischen Geheimpolizei abzuschütteln, die versuchten, mich an einem Treffen mit Anhängern der kurdischen Opposition zu hindern, verlief ich mich im Labyrinth der Altstadt. In einem der engen Gässchen traf ich plötzlich auf Abdullah, der mich mit seinen großen Augen etwa so erstaunt ansah, wie ich ihn anstarrte, weil er mit einer Pistole spielte.

Letztendlich habe ich mich nie gefragt, ob er eine echte Pistole in den Händen hielt, das Foto spricht für sich selbst.

Das Gebiet Kurdistans liegt im äußersten Osten der Türkei, nahe der Grenze zum Irak. Beide Staaten unterdrücken die kurdische Minderheit, zum Teil mit äußerster Brutalität. Die 7-8 Millionen Kurden, die in der Türkei leben, waren jahrzehntelang immer wieder Opfer von Willkür und Gewalt seitens der türkischen Regierung. Diese versuchte lange Zeit, jegliches Streben der Kurden nach Autonomie im Keim zu ersticken. Diese Gewalt gehört für die kurdischen Kinder zum Alltag.

Der mit einer Pistole spielende Abdullah verkörpert für mich eine Kindheit im Schatten von Gewalt und Unterdrückung. Rund um den Globus spielen Kinder mit Waffen, in Kurdistan jedoch erhält diese Geste eine viel tiefgreifendere Bedeutung.