Project Description

Angelica gehört zu den mehr als 600 Millionen Menschen weltweit, die in Slums leben. Das sind mehr als alle Einwohner der Europäischen Union, doppelt soviel wie die Einwohner der USA. In Lima leben sie an steilen Hängen vor den Toren der Stadt. Während der Wintermonate liegen die oberen Bereiche der Slums im Dauernebel, der Gipfel des Elends ist nicht sichtbar. Toiletten gibt es nicht, auch kein fliessendes Wasser. Immerhin, für einige Glückliche gibt es Elektrizität, um ein paar Glühbirnen, einen Kühlschrank oder einen Fernseher mit Strom zu versorgen. Jene, die neu im Slum ankommen und sich mit Hacke und Schaufel eine kleine Terrasse in den Fels hauen, um Platz für eine erbärmliche Hütte zu schaffen, können von Luxus wie Strom und Wasser nur träumen. Das ist die Welt von Angelica.

Angelica geht nicht zur Schule, wie viele Kinder hier in den Slums. Oft steht sie an der Ecke neben der Hütte, in der sie zusammen mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern lebt. Dann schaut sie zu, wie die Menschen mühsam Eimer mit Wasser zu ihren Hütten den Berg hochschleppen. Männer, Frauen, Kinder, Alte. Die meisten von ihnen sind irgendwann mal vom Land in die Hauptstadt gekommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Und fast jeden Tag kommen neue hinzu. Der Wind trägt die Geräusche hinunter zu Angelica. Weiter oben, dort, wo der Nebel den Gipfel des Elends verhüllt, schlagen sie mit ihren Hacken auf den Berg ein, um ihm ein Stück Land für ihre Hütte und ihre Hoffnung zu entreissen…